Motoröl

Hier geht es um die Technik des Passat/Santana Typ 32/33 und 32B
WinfriedB
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Re: Motoröl

Beitrag von WinfriedB »

Chris aus Hamm hat geschrieben: Sa 18. Dez 2021, 10:33 Klasse! Endlich das Thema Nr. 1 Motoröl.... hab schon das ganze Jahr drauf gewartet =D>
Aber keine Sorge. Ich halte mich mal vornehm zurück.
Wechsel ein mal im Jahr vor der Winterpause. Mittelklasse Mehrbereichsöl 10w40, zur Not auch Baumarktöl.
Alles ist heute besser als das was es 1982 gab.

Gruß aus Hamm
Christian
100% ACK. Anno 82 (da war ich noch R4-Fahrer) gabs Öle mit der API-Spezifikation SE/CC (API ist ein US-Institut, S- bzw. C-Speziifikation sind die Spezifikationen für normale bzw. kommerziell genutzte Fahrzeuge). Das war für damalige Motoren voll ausreichend. Heute sind selbst die billigsten Baumarkt-Plörren bei beiden Spezifikationen in der Mitte des Alphabets angelangt, d.h. um Klassen besser - auch um Klassen besser, als es zur Konstruktionszeit der Motoren unserer schönen Autos verlangt wurde.

Da spielt es denn auch keine Rolle, ob teil- oder vollsynthetisch (wenn die Brieftasche entsprechend gefüllt ist), oder ob teilrecycelt oder Erstraffinat.

Beim McOil, wo ich seit -zig Jahren machen lasse, ist das 15W40 mittlerweile teurer als das standardmäßig ausgeschenkte 10W40. Sie haben es auch nicht mehr vom Faß, sondern aus normalen Literflaschen - wollen wohl nicht mehr so viele. Bis auf ein einziges Mal (da war noch einer mit nem Audi aus den 60ern da) ist meiner auch regelmäßig der älteste in der Warteschlange.

In der Werkstatt meines Onkels gab es seinerzeit 3 Ölfässer: eins für Benziner, eins für Diesel, eins für Turbos. Mehr Theater haben die damals nicht gemacht.
1982er Variant Automatik 63kW (einer von 89 - Stand 01/2012, staatl. anerkannter Oldtimer)
1954er Bismarck "Weltmeister Lohmann" (gepimpt)
1987er Auchan "Raymond Poulidor" (Billigrad, kein Mercier - umgebaut)
+ zwei Bahnhofsschlampen
Tilman
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Re: Motoröl

Beitrag von Tilman »

Richtig: Das Aufkommen der ersten Turbo-Motoren in PKWs war der große Schub für neue Qualitätsanforderungen an Motoröle, damals kam mit der VW-Norm 50500 für die TDs erstmals ein Öl auf, das auch unter (damaligen...) Extrembedingungen die Schmierung aufrechterhalten musste.

Die andere, praktisch zeitgleiche Entwicklung war die Verdoppelung der Wartungsintervalle bei Benzinmotoren von 7.500km (vorher sogar noch 5.000km!) in der Großserie auf 15.000km (10.000 Meilen) ab Mj. 1983 bei VW, südeuropäische Hersteller (mit geringeren meteorologischen Temperaturspreizungen) sind tw. zeitgleich sogar auf 20.000km gegangen. Mit dieser nun definierten neuen Ganzjahres-Anforderung für Öle (vorher fuhr man in Deutschland jeweils Sommer- bzw. Winter-Öle - länger als ein halbes Jahr war das Öl kaum im Auto) war der Weg geöffnet für stärker Hersteller-spezifische Ölnormen, nachdem vorher tatsächlich meistens die API-Spezifikationen gereicht hatten.

Außerdem ermöglichte diese Entwicklung den Ölherstellern, spezifische Kooperationen mit einzelnen Marken einzugehen - und da bis zum heutigen Tage die wesentliche Wertschöpfung im Service am Motoröl hängt (man vergleiche die Literpreise in der (Marken-)Werkstatt mit jenen im Baumarkt oder gar im Versandhandel...), war dies eine für die Branche sehr nachhaltige Entwicklung.

Später kamen dann die Anforderungen der Abgasreinigung bzw. Verbrauchsreduzierung hinzu, die bis heute die Ölhersteller zu technologischen Höchstleistungen antreiben (bei der WLTP-Verbrauchsmessung kommt es definitiv auf das eingefüllte Motoröl an) und sich auch auf die Preise auswirken.

- Bei unseren alten 32b reicht, solange es kein Turbodiesel ist, im Alltagsbetrieb eigentlich Öl der BBÖ-Norm (billiges Baumarkt-Öl) in 10W-40 oder 15W-40, das erfüllt meistens die ziemlich anspruchslosen vorgenannten API-Normen. Wenn man es länger drinlassen möchte (Saisonfahrzeuge / Autos auf 07, die im Jahr nur wenige 100 bis wenige 1000 km bei warmem Wetter zurücklegen), würde ich persönlich teilsynthetisches Öl verwenden. Filter stets mitwechseln. Das war's auch schon..

Grüße
Tilman
WinfriedB
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Re: Motoröl

Beitrag von WinfriedB »

Naja, Mehrbereichsöl (d.h. für Sommer und Winter) war auch schon Ende der 70er gang und gäbe, zumindest dort, wo wir das Öl gekauft haben (Baumarkt). Den halbjährlichen Ölwechsel tut sich eigentlich schon seit Jahrzehnten niemand mehr an.

Was du zur Motoren- und (zwangsläufig) Öltechnikentwicklung sagst, ist sicher alles richtig, Aber die Motoren unserer schönen Autos stammen entwicklungsgeschichtlich aus den 70ern (bestenfalls frühe 80er). Und wer beim Verbrauch auf zehntel Liter achtet, ist bei Oldtimern sowieso falsch.

Daher: wenn man schon selber Öl wechselt (d.h. sich die Finger vollkleckern will und das alte Zeug zur Entsorgung schleppen, ggf. Ölfilter besorgen, den alten entsorgen), der nehme was halbwegs bekanntes, was er billig kriegen kann. Marken- und Sortenkonstanz schadet nicht, auch wenn alle Öle unfallfrei untereinander mischbar sind. Bei der Ölwechselstation (vorausgesetzt man geht immer zur gleichen /-kette) gibts eh immer die gleiche Brühe (bei McOil Shell-Öle) plus Ölfilter, und man braucht den Wagen noch nicht mal zu verlassen.

Die API-Normen der heutigen Öle sind mehrere Klassen besser als das, was wir in den 70ern und 80ern eingefüllt haben (das waren allerdings Motoren, die in den 50ern konstruiert worden - bekanntlich stammen die R4-Triebwerke vom Vorgängermodell). Damals gab es API SE/CC (manchmal auch schon SF/CD), mittlerweile sind wir bei API SN... (für Motoren ab ca. 2010)

https://de.wikipedia.org/wiki/Schmier%C3%B6l
1982er Variant Automatik 63kW (einer von 89 - Stand 01/2012, staatl. anerkannter Oldtimer)
1954er Bismarck "Weltmeister Lohmann" (gepimpt)
1987er Auchan "Raymond Poulidor" (Billigrad, kein Mercier - umgebaut)
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